1200 Kilometer Abenteuer:

Andreas finisht das Brevet „Madonna del Ghisallo“

Ein besonderes Radsport-Abenteuer liegt hinter unserem Vereinskameraden Andreas: Mit dem 1200-km-Brevet „Madonna del Ghisallo“ hat er eine außergewöhnliche Langstreckenfahrt erfolgreich absolviert. Organisiert von ARA München / Oberbayern, führt der unsupported-Ritt von München über die Alpen zur berühmten Radsport-Wallfahrtskirche am Comer See und wieder zurück. Am Ende standen beeindruckende 1200,41 Kilometer, 14.339 Höhenmeter, eine Bewegungszeit von 52:27 Stunden und eine Gesamtzeit von 88:36 Stunden auf dem Tacho.

Gemeinsam mit Julian, einem befreundeten Randonneur aus Eschborn, machte sich Andreas auf den Weg. Gerade auf einer so langen Strecke war das Fahren zu zweit ein großer Vorteil – sowohl organisatorisch als auch mental.

Schon der Start hatte es in sich: Bei hochsommerlichen Temperaturen um die 30 Grad führte die Route zunächst vorbei am Starnberger See und hinauf zum Kesselberg. Danach ging es über Mittenwald weiter Richtung Landeck. Traumhafte kleine Straßen, schöne Ausblicke und beste Sommerbedingungen machten diesen Abschnitt landschaftlich zu einem echten Genuss – auch wenn die Hitze schon früh ihren Tribut forderte.

Eine erste Herausforderung abseits der Höhenmeter war die Versorgung unterwegs. In Österreich und später auch in der Schweiz wurde schnell klar, dass Supermärkte und Restaurants deutlich früher schließen als gewohnt. Kurz hinter der Grenze rettete schließlich ein italienisches Lokal den Abend: kaltes Essen, Kaffee und alkoholfreies Weißbier lieferten die nötige Energie für den langen Anstieg zum Maloja. Mit rund 140 Kilometern Anfahrt war dieser einer der längsten Anstiege der Tour – meist gut fahrbar, aber mit durchaus fordernden Rampen.

Gegen 2 Uhr nachts erreichten die beiden den Maloja-Pass. Während im Tal noch angenehme 20 Grad herrschten, zeigte das Thermometer oben nur noch 7 Grad. Also hieß es: warm anziehen für die nächtliche Abfahrt Richtung Comer See. Dort wurde am Nordufer gegen 5 Uhr morgens eine Stunde Pause eingelegt – Zeit für einen dringend benötigten Powernap.

Natürlich blieb auch auf dieser Tour nicht alles ganz ohne Zwischenfall: Bei der Umfahrung eines für Radfahrer gesperrten Tunnels geriet Julian auf groben Schotter und handelte sich den einzigen Defekt der gesamten Fahrt ein – ein Loch in Mantel und Schlauch. Doch der Schaden war schnell behoben, die Stimmung blieb gut. Nach einer verpassten Fähre wurde in Bellagio erst einmal ausgiebig gefrühstückt, bevor direkt der nächste Höhepunkt wartete: der Anstieg zur Madonna del Ghisallo, jener berühmten Kirche, die dem Brevet seinen Namen gibt.

Spätestens dort wurde deutlich, wie kräftezehrend das permanente Fahren in der Sonne bei sommerlicher Hitze war. Immer wieder wurden zusätzliche Stopps an Brunnen, mit Eis oder kalten Getränken eingelegt. Doch genau das gehört bei einem Brevet dazu: Es ist kein Rennen, sondern eine besondere Form des Ausdauerfahrens, bei der es auch darum geht, die Strecke klug einzuteilen und auf den eigenen Körper zu hören.

Weiter führte die Route an den Lago Maggiore, wo die beiden per Fähre von Laveno nach Verbania übersetzten. Die Abfahrt dorthin beschrieb Andreas treffend als „wie Brathähnchen mit Umluft gebraten“ – statt kühlendem Fahrtwind gab es nur heiße Luft von vorn.

Über den Passo dello Scopello ging es anschließend nach Bellinzona. Dort gönnten sich Andreas und Julian eine längere Pause in einem 24-Stunden-Self-Check-in-Hotel – inklusive Dusche und sechs Stunden Schlaf in einem richtigen Bett. Auf einer Tour dieser Länge fast schon purer Luxus.

Am nächsten Tag standen mit der Tremola hinauf zum Sankt Gotthardpass, dem Klausenpass und dem Ricken weitere große Anstiege auf dem Programm. Dafür wurden die Mühen mit traumhaften Panoramablicken auf die Alpen belohnt. Gefahren wurde bis ins Appenzeller Land an den Fuß der Schwägalp, wo unter dem Vordach eines Baumarkts noch einmal vier Stunden geschlafen wurde. Mehr Schlaf gab es danach nicht mehr.

Um 3:30 Uhr morgens ging es auf den letzten Pass, die Schwägalp, und anschließend hinunter Richtung Bodensee. Über Lindau, Biberach, Türkheim und Weilheim führte die Strecke schließlich zurück nach München. Doch auch auf den letzten Kilometern wartete die Route noch mit einigen giftigen Überraschungen auf: kurze, aber teils bis zu 20 Prozent steile Anstiege verlangten noch einmal alles ab. Auch die Versorgung blieb auf diesem Abschnitt anspruchsvoll, weil die Strecke oft abseits größerer Ortschaften verlief.

Am Ende blieb für Andreas vor allem eines: die Erinnerung an ein rundum gelungenes Abenteuer. Beeindruckende Landschaften, extreme Wetter- und Temperaturwechsel, wenig Schlaf, viele intensive Eindrücke und unzählige Stunden im Sattel – genau das macht den besonderen Reiz solcher Brevets aus.

Herzlichen Glückwunsch, Andreas, zu dieser starken Leistung!

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